So wie gewisse PolitikerInnen das Auto als "alternativloses" Verkehrsmittel verteidigen, erinnert mich das an die 70er und 80er Jahre, als es in der Politik hieß, ohne Atomkraft ginge das Abendland unter.

Die Autofreunde haben verloren. Der Paradigmenwechsel ist im vollen Gang. Sie ahnen es, wollen es aber nicht wahrhaben.

@Erdrandbewohner Ich habe selbst kein Auto und ich will auch weniger Autos haben. Aber ein Beispiel: Ich war neulich in Kappeln an der Schlei. Ein Ort ohne Bahnhof. Ich musste mich mit dem Auto abholen lassen in Süderbrarup. Bei der gabs auf der Bahnstrecke ein Problem. Kein Zug fuhr. Es fuhr auch kein Bus. Ich hing da einfach fest. Ich weiß nicht, ob man auf dem Land so viele Busse fahren lassen kann, dass man keine Autos mehr braucht. Hast Du einen Tipp, wie das gehen sollte?

@kaffeeringe Hm, natürlich habe ich kein Patentrezept. Aber beginnen wir doch einfach damit, dass die geplanten Gelder für den Neu- und Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen (ausgenommen vielleicht bestimmte Ortsumgehungen) in den Ausbau von ÖPNV-Verbindungen im ländlichen Raum gesteckt werden. Ich sage auch nicht, dass es *keine* Autos mehr geben soll, sondern ich sage, dass das Auto als dominates und hoch subventioniertes Verkehrsmittel seinen Status bereits beginnt zu verlieren.

@Erdrandbewohner Ich glaube, wir haben da eine Menge Überschneidungen - vor allem im Ziel. Es ist halt ein schwieriger Prozess, die verschiedenen Verkehrsträger gegeneinander auszupendeln. Wenn Autofahren zu plötzlich zu teuer wird, dann wird der Wohnungsdruck in den Städten noch höher. Wenn Kleinstädte und Dörfer sich benachteiligt und abgehängt fühlen, verliert das gesamte Ziel an Akzeptanz. Die leiden ohnehin schon am fortschreitenden Bedeutungsverlust.

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@kaffeeringe Besonders abgehängt sind die Alten und Kranken auf den Dörfern, die kein Auto (mehr) fahren. Ein gut funktionierender, flächendeckender ÖPNV muss mindestens die selbe Prioriät haben wie schnelles Internet bis zu jedem Kuhstall. Gleichzeitig muss das Auto raus aus den Städten. Hier gibt es viele Beispiele aus aller Welt, wie es gelingen kann.

@Erdrandbewohner Zurzeit ist es ja so, dass in kleinen Orten die Menschen zu ganz unterschiedlichen Zeiten in ganz unterschiedliche Richtungen müssen. Da fährt dann die Mutter die Kinder zur Schule, damit die nicht um 6 Uhr im Bus sitzen müssen. Die Grundschule ist im Ort, die Gemeinschaftsschule im nächsten Ort und der Mann arbeitet in der Kreisstadt. Danach fährt sie um Einkaufen und dann selbst zur Arbeit. Bei jedem Nachbar sind Uhrzeiten und Ziele andere.

@Erdrandbewohner Ich finde es schwierig, mir vorzustellen, wie das mit Bus und Bahn gehen soll. Schülerbeförderung per Bus gibt es ja schon. Das ist noch der beste Teil des ÖPNV auf dem Land. Aber damit muss man irre früh los, weil das dreimal so lange dauert, wie mit dem Auto.

@kaffeeringe So wie es jetzt ist, ist es unhaltbar. ÖPNV muss übrigens nicht heißen, dass es große Busse sind, die stets zu festen Zeiten abfahren. Es gibt Modellprojekte mit Kleinbussen, die übers Land fahren und dich einsammeln, wenn du dich per Internet anmeldest. Du kannst sogar sehen, wo der Bus gerade ist und wie lange es dauert, bis du am Ziel bist. Sogar Umsteigen in einen anderen herumfahrenden Bus mit anderem Ziel ist spontan möglich. Leider finde ich den Link nicht mehr.

@Erdrandbewohner Ein Bürgerbus ist aber halt etwas anderes als ein Auto mit dem Du nicht nur von A nach B kommst, sondern auch Deinen Einkauf transportieren, mit der Familie in den Freizeitpark oder in den Urlaub fahren kannst. Das ist doch mit kleinen Kindern eine Weltreise. Allein, das zu können, ist doch für Menschen auf dem Land wichtig.
Aber ich bin jetzt schon wieder so in der Auto-Verteidiger-Rolle. Das will ich gar nicht.

@Erdrandbewohner Ich glaube, in Städten kann man sehr viel tun. Und dann kann man nach und nach auch das Umland anschließen. Dann erleben die Menschen das als Ergänzung und Erleichterung und nicht als "die wollen uns was wegnehmen".

@kaffeeringe Hier im dörflichen Stadtteil gibt es Stadtteil-Autos. Also Carsharing. Sowas könnte - mit Elektroautos - sicher auch auf dem Land gut funktionieren. Das Angebot lässt sich erweitern durch Transporter oder Kleinbusse.

Das Gefühl, dass einem was wegenommen werden soll kommt auch daher, weil der eigene Lebensstil hinterfragt wird. Das passiert genau so beim Fleischkonsum, war so beim rauchen und ist natürlich auch beim Auto so.

@Erdrandbewohner Verlustangst hilft nicht bei der Akzeptanz. Die Menschen mögen Veränderungen nicht, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben.

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