Follow

Thread: Die IT hat einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Klimawandel. Der Server-Betrieb der fünf größten Internetprovider verursacht schon ungefähr dieselbe Menge CO2 wie der gesamte Flugverkehr auf der Erde.

Aber auch der private Betrieb verursacht hohe Umweltkosten
Ich möchte hier mal Punkte sammeln, wie man aus privater Sicht den CO2-Abdruck reduzieren kann. Ergänzungen sind gerne gesehen

Der größte Anteil verursachen Rechner bei der Herstellung. Eine 5-jährige Lebensdauer angenommen, beträgt der Herstellungsanteil bei Notebooks 55% und bei PCs 50%.

Die erste Maßnahme wäre daher, IT-Equipment so lange wie möglich zu nutzen. Selbst wenn man einberechnet, dass neue Geräte sparsamer sind, schlägt dies nicht zu Buche. Die neuen Geräte müssten unrealistisch lange laufen, um diesen Vorteil auszuspielen.
Geräte sollten daher erst ausgetauscht werden, wenn sie unreparierbar kaputt sind

Beim Kauf sollte man möglichst auf refurbished Produkte zurückgreifen - einzige Ausnahme sind Festplatten/SSD's, da würde ich den Punkt der Datensicherheit höher bewerten.

Es gibt eine Reihe von Online-Händlern, die sich auf Refurbished Produkte spezialisiert haben, darunter auch gemeinnützige.
In größeren Städten gibt es auch Second-Hand Computerläden, wenn man dort kauft spart man sich auch den CO2-Abruck durch den Transport per Post.

Manche mögen Bedenken haben, dass ältere Hardware nicht so leistungsfähig ist wie neuere. Das stimmt aber so nicht. Seit einiger Zeit macht die IT nicht mehr so große Leistungsprünge wie noch vor 15-20 Jahren.

Zum Vergleich eignet sich die Seite cpubenchmark.net/cpu_list.php. Ich nutze hier eine i3-CPU der 2. Generation (i3-2120). Diese ist genau so leistungsfähig wie der i7-8500Y, eine i7-CPU der 8. Generation.

Zur Software: Je mehr Programmem und Dienste laufen, desto größer ist der Energiebedarf. Was Windows betrifft, so kann man dieses OS auch aus Umweltsicht nicht empfehlen.
Zum ist das Betriebssystem komplex, es laufen unzählige Hintergrunddienste , es wird ständig Telemetrie übertragen, was neben der Datenschutz-ebene auch aus Umweltsicht schlecht ist, da dies Energie verbraucht.
Außerdem benötigt Windows relativ aktuelle Hardware. Für ältere HW gibt es ggf. keine Treiber.

Daher sollte man auch hier zu freier Software greifen. Aber auch hier ist es nicht egal, was man nutzt.
Ganz schlecht sind aus Umweltsicht Source-basierte Distributionen, also Distros, wo man die Programme zunächst kompilieren muss, wie z.B. Gentoo.
Aber auch BSD-Varianten, wo man sich die Ports erst selbst bauen muss sind nicht gut (z.B. NetBSD und DragonFlyBSD).

Auch die Powersaving-Features sollte man beachten. OpenBSD z.B. hat keinen Tickless-Kernel, weswegen der Energieverbrauch höher ist als z.B. bei Linux, oder auch bei FreeBSD, welches seit der Version 9 einen "dynamic tick mode" hat.
Es ist auch klar, dass große Desktop Environments wie KDE und GNOME mit all ihren Features mehr Energie verbrauchen, als schlanke Window Manager wie Fluxboox, Icewm usw. Im allgemeinen sind daher schlanke Programme zu bevorzugen.

Beim surfen im Web sind es vor allem Javascript-lastige Seiten, die CPU-Last erzeigen und damit Energie verbrauchen. Nich nur werden solche Seiten oft langsam und nerven die User*innen, sie schaden auch der Umwelt.
Tracker und externe Ressourcen wie Ads tragen ein übriges dazu bei.
Aus Umweltsicht sollte man daher so viel wie möglich blockieren. Ad- und Trackingblocker schonen also nicht nur die Nerven, sondern auch das Klima.

Um den Energieverbrauch zu überprüfen gibt es eine Reihe Tools. Für Linux wäre in erster Linie "powertop" zu nennen, welches auch eine Übersicht über Einstellmöglichkeiten bietet. Für FreeBSD gibt es das Paket "powermon". (Thread Ende)

@Haydar
Erstmal Danke für den klasse Thread. Beim Thema content sollte man auch im Blick behalten, dass Sreaming vermutlich mehr als ein Drittel des Energieverbrauches im Web ausmacht (Netflix & co, aber auch all die kleinen Clips).

@Haydar

Ich mag Lösungen die für einzelne nicht absolut sind, aber es jedem ermöglichen einen Schritt in die "richtige" Richtung zu machen. Sieben Leute die einen Tag/Woche auf Fleisch verzichten sind ein/e Vegetarier/in. Kriegen wir hier 14 Leute zusammen die eine Stunde am Tag weniger EDV nutzen und in der Zeit keine Kekse backen, ist das eine Oma ohne Internet. Damit ist ein leichter Einstieg geschafft.

@Haydar
Öfter mal den Flugmodus nutzen, z.B. beim Lesen oder Daddeln auf dem Endgerät.

@Haydar
Ein Mann ein Screen.
Da Männer eh nur eins zur Zeit können, entweder Handy gucken oder fernsehen. :-)

@Haydar

Firefox verursachte noch bis vor nicht zu langer Zeit einiges an Grundlast, indem es tatenlos im Hintergrund lief -- das scheint inzwischen behoben.
Bis vor ein paar Monaten hab ich es noch immer brav beendet, wenn ich es eine Weile nicht benutzte, aber inzwischen ist das kein Problem mehr.

@Haydar all dieser mist nervt total mittlerweile. ich kenne etliche leute, die wieder richtung gopher gehen.

@Haydar Noch besser: Dienste verwenden (und eventuell bezahlen), die nachhaltigere Finanzierungsmodelle nutzen und solche Dinge von vornherein außen vor lassen. Das schont das Klima und hilft, bessere Geschäftsmodellen zu etablieren, die keine Werbung, kein Tracking brauchen. 😉

@Haydar anstatt eine URL direkt im Browser einzugeben, gehen viele User immer wieder über Google. Eine unnötige Suchanfrage, die Energie kostet. Also besser bookmarken oder URL direkt aufrufen

@Haydar @Dankeschoen

Deshalb ja auch Iron und besser dazu noch ein "funktionierendes" VPN.

@spacelatius @Dankeschoen Naja, Iron basiert auf Googles Chromium, was aus Datenschutzsicht ebenfalls bedenklich ist.

Zudem hinkt Iron als Fork den Chromium Releases hinterher, ist also auch aus Sicherheitssicht kritisch zu sehen. So hat der aktuelle Iron-Browser derzeit 39 offene und bekannte Sicherheitslücken, siehe cert-bund.de/advisoryshort/CB- und cert-bund.de/advisoryshort/CB-

@Haydar @Dankeschoen

Es hinkt wenige Tage hinterher. Welcher Privat User installiert ständig den neuesten Browser.

Außerdem ist der Bug nicht spezifiziert und meine VPN versteckt zusätzlich den Rechner.

@Dankeschoen @Haydar

Wie gesagt, ein "Privat" Rechner mit Windows, weil ich in C# entwickeln muss und kein Linux verwenden kann. Bei Linux ist so was leicht zu automatisieren. :-(

@Haydar @Dankeschoen

Wegen dem C# ? Programmiere auch in C/C++ oder was sonst auch immer.

Habe da aber eine kleine Lebensstellung, arbeite für ein mittelständisches Unternehmen und wirklich nicht tot. (Homeoffice). 😉

@Haydar @Dankeschoen

Nun Mono funktioniert nicht so super, bei graphisch aufwendigen Oberflächen und außerdem muss es für Desktop Windows erstellt werden. Habe ein eigenes WWS für die Firma geschrieben. Die Tools auf dem Server laufen selbstverständlich unter Linux.

@Haydar Tipp für Mac OS: Die "Aktivitätsanzeige" liefert auch Details zum Energieverbrauch von Anwendungen. support.apple.com/de-de/HT2014

@Haydar
Den Punkt über KDE würd ich einschränken: Hab letztens suse15 auf einem Laptop von 2006 installiert. Läuft. Vollbild-Videos auf youtube laufen nur bis 720p flüssig (und mit 100% CPU-Last), aber der Desktop selbst bleibt unter 10% -- für einen modernen Prozessor wär das bedeutungslos.
LXDE verursachte ähnliche CPU-Last.

@Haydar
> Ganz schlecht sind aus Umweltsicht Source-basierte Distributionen, also Distros, wo man die Programme zunächst kompilieren muss, wie z.B. Gentoo.

Sollte das einmalige Kompilieren so viel Energie benutzen, dass dies über die ganze Lebensdauer signifikant ist? Oder haben solche Distributionen aus anderen Gründen schlechtere Energieleistungen?

@VictorVenema Sehe den Beitrag erst jetzt, sorry.

Kompilieren ist vor allem CPU-lastig, verbraucht also viel Strom. Um ein Desktop-System mit sagen wir mal MATE mit Grundprogrammen (Browser usw.) einzurichten muss eine mittelprächtige CPU grob geschätzt 24h unter Vollast laufen. Das verbrät einiges an Energie, das bekommt man sicher nicht durch irgendwelche Optimierungen im Kompilat wieder rein.

Und das nicht nur einmal. Jedes Update (zB Browser) will ja auch kompiliert werden.

@Haydar Danke. Interessant. Hätte ich nicht erwartet.

I am today's lucky 10,000. xkcd.com/1053/

@Haydar
Nachteil von Linux: Stromsparfeatures neuerer Systeme funktionieren oft nicht so gut ... mein PC auf openSuse (Tumbleweed ... ich liebe die Gefahr) bekommt suspend-to-RAM nach einem Jahr noch immer nicht richtig hin ...

Die automatische Taktregelung und Lüftersteuerung wiederum funktioniert sauber (größtenteils über BIOS), und wenn er nichts zu tun hat, ist er quasi unhörbar.

Vorteil von Linux: unnötige Spielereien etc. lassen sich abstellen.

@Haydar Hah! Bei mir hat heute auf der Arbeit "Symantec Endpoint" für gut 3 Stunden ca. 40% CPU Last belegt. Auch etwas, was ich unter Linux nicht kenne. Was die SnakeOil-Industrie da treibt, ist mir ein Rätsel (vermutlich das ganze Firmennetzwerk scannen)…

@Haydar das mit den alten treibern stimmt nicht so ganz, man muss nur wissen wo man suchen muss. eher ist es so das für aktuelle hardware unter linux sehr schwer treiber zu finden sind.

da kann man sich aber behelfen in dem man bestimmten foren, nicht facebook und co, fragt. oder einen toot mit der frage in die federverse absendet. es ist immer einer dabei der einen tip hat 😃

@Pinguinsreisende Nein. "Zweite Wahl" sind Produkte, die neu sein können, aber die leichte Mängel haben. Refurbished ist "gebraucht und wieder aufbereitet".

@Haydar kann man sich drüber streiten, für mich ist auch zweite, die aufbereitet wurden 😃

@Haydar Wenn ich dir Wahl habe greife ich daher immer zu einem Tower anstelle eines Laptops. Sollte ein einzelnes Teil veraltet sein und meinen Anforderungen nicht mehr genügen oder kaputt gehen, kann man es einfach austauschen. Warum Mainboard, RAM, Prozessor, Gehäuse und Display entsorgen, wenn nur die GPU nicht mehr will?

@Haydar
Ich versuche meine #Hardware so lang wie möglich zu nutzen. #PCs bis zu 10 Jahre keine Seltenheit. Man kann Komponenten austauschen. Auch #Phones, #Laptops, #Netbooks laufen bei mir teils schon länger als 5 Jahre..

@Haydar
Und man kann die Nutzungsdauer verlängern, wenn man auf GNU/Linux umsteigt, das ist eines unser Anliegen beim #linuxtreff in Mülheim an der Ruhr.

@Haydar
Meine Lösung, nicht nur aus Umwelt- sondern auch finanzieller Sicht:
Nicht den ganzen PC ersetzen wenn was neueres will. Ich habe zwei Gehäuse, eins von 2000 und eins von 2005 (eins im Wohnzimmer, eins für Arbeit), und das größte Upgrade seitdem war Mainboard+CPU+RAM+Grafik, und zwar drei mal insgesamt. Ansonsten reicht es oft, nur eine Komponente zu tauschen, wenn mal was ausfällt oder nicht mehr mithält.

@Haydar
und wenn ich was neues kaufe, schaue ich bei der Entscheidung für neue Komponenten nicht nur auf Preis/Leistung sondern auch ... "Leistung/Leistung"? Also Stromverbrauch pro Rechenleisung. Meine Grafikkarten bleiben unter 100W, und meine CPUs auch. Das heißt auch, dass 350W-Netzteile dicke reichen, und auch beim nächsten Upgrade nicht gewechselt werden müssen.

@Haydar @_hensys_ deshalb laufen hier die Rechner auch deutlich länger als 5 Jahre. Der älteste im Haushalt ist aus 2009, dann 2012 und 2016. Alle laufen für ihren Zweck perfekt. Und werden das auch noch ein paar Jahre tun, wenn kein größerer Defekt auftritt...

@Haydar
Suspend to disk nutzen, wenn der "Desktop" Rechner nicht genutzt wird.
Hat den großen Vorteil, das i. d. R. alle geöffneten Anwendungsfenster wiederhergestellt werden.

@alm10965 Du meinst als Alternative zu "Suspend to RAM", welches mehr Energie verbraucht, oder?

@Haydar
Richtig 👍 das funzt ja nicht bei allen Rechnern auf Anhieb.
Bei meinem alten HP-dx5150-mt mußte ich bei OS Installation eine großzügige Swap Partition anlegen, und auch noch ein wenig Linux gefrickel.

Sign in to participate in the conversation
Mastodon

The social network of the future: No ads, no corporate surveillance, ethical design, and decentralization! Own your data with Mastodon!