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Linus Torvalds wird 50 und ist damit nur wenige Monate älter als ich. Überhaupt stelle ich fest, dass viele in der Freie Software und Open Source Szene mehr oder weniger in meinem Alter sind. Jüngere Leute sehe ich eher selten.

Ich frage mich daher manchmal, ob das ganze GNU/ Linux-Projekt nur das Projekt einer einzigen Generation ist und die Generation nach uns nur noch Smartphone-Apps kennt.

Das kommende Jahrzehnt sollte daher im Zeichen des Generationenwechsels stehen. Es müssen junge Leute für die Entwicklung freier Software geworben werden und für die führenden Personen müssen Nachfolger*innen aufgebaut werden.

Sollte Torvalds 2030 mit 60 immer noch oberster Chef über Linux sein ist es zu spät. Gilt ebenso für andere, wie z.B. Theo de Raadt (OpenBSD, 51).

Das Beispiel von RMS, der nicht rechtzeitig den Rückzug schaffte, zeigt wie es sonst enden kann.

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@Haydar

Es mangelt an Idealismus. Alles was nicht unbedingt etwas "Abwirft" ist uninteressant. Unsere westlichen Gesellschaften gehen zugrunde. :-(

@spacelatius würde ich so nicht sagen. Bestes Gegenbeispiel: Fridays for Future.

@Haydar OK, stimmt in diesem Fall.
Sehe aber auch, dass die Leute lieber nicht programmieren wollen. Einer davon steht lieber im Lager und sortiert.

@spacelatius Gut möglich. Die allermeisten wollen IT halt nur konsumieren, statt selbst etwas zu schaffen. Hat aber auch damit zu tun, dass IT spätestens mit den Smartphones ein Alltagswerkzeug geworden ist.

Die größte Gefahr sehe ich darin, dass IT und das Internet oligopolisiert wird. Dass das Internet gleichbedeutend wird mit Google+Facebook und dass es daneben gar nichts mehr gibt. Dass Dienste nicht mehr über das Web erreichbar sind, sondern nur noch über proprietäre Apps.

@Haydar Lennart Poettering, Armin Ronacher, Limor Fried, Ken C. Dodds, Cassidy Williams.

Das sind mal einige, die mir auf die Schnelle einfallen. Ist wohl eher ein Wahrnehmungsproblem. Die Szene ist einfach so groß, dass es weniger große "Stars" gibt, die heraus stechen.

@SevenOfNein Möglicherweise. Von den von Dir aufgezählten sagt mir nur Poettering etwas (und evtl. auch nur, weil er bzw. seine Software ziemlich umstritten ist), außerdem wird er auch immerhin schon 40.

@Haydar @SevenOfNein braucht auch Zeit, bekannt zu werden. Aaron Schwartz (RSS und so) war sicher ein großer Ausreißer.

@Haydar
Kenne mich da selber webig aus, aber vermute, dass generell viel mehr jüngere Menschen "was mit Computern" machen, und auch wenn unter ihnen der Anteil der OSS-Entwickler zurückginge, könnten es viele sein. Und vielleicht beteiligen sie sich nicht unbedingt an den gleichen alten Projekten -- was bisweilen auch an den Hürden liegen mag, die Neueinsteigern in den Weg gelegt werden.

...wie viele 20-jährige haben noch Bock auf vi oder Emacs?
@SevenOfNein

@Haydar
...Hipster :)

Als jemand der immer nur mit nem halben Fuß in der Szene war, war mir Joe nicht wirklich bekannt. Wenn ich nen Konsoleneditor *brauche*, nehm ich Nano, weil man da ohne Anleitung vorher wissen kann, was man tut. Joe scheint deutlich freundlicher zu sein als vi, das bei mir regelmäßig Panik auslöst.
Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwas davon schneller ist als ein guter grafischer Editor, wie Notepad++, Kate, Sublime, oder halt ein IDE.
@SevenOfNein

@Haydar @SevenOfNein

...und um das klarzustellen: Geübte Nutzer von vi sind verdammt schnell, aber vi zu lernen ist Arbeit und würde meine Reflexe für "konventionelle" Programme verlangsamen. Diese Konventionen sind vielleicht nicht viel besser, aber ein Editor mit guter Tastaturbedienung kann nur besser werden, wenn man außerdem auch eine Maus und grafische Elemente erlaubt.
Und eine Oberfläche die sich weigert sich zu erklären ... hab dringenderes zu tun.

@Haydar Nein, das glaube ich nicht. Ich kenne viele Millennials, die sich mit Open Source auseinandersetzen und sich auch gelegentlich einbringen. Aber klar, mit jedem Generationenwechsel ändern sich auch die Strukturen ein wenig...

@Haydar Replace all the old farts? Ist das nicht eigentlich Ageism und daher eigentlich ausgrenzend?

@fantazo
Ich seh es eher umgekehrt: Die "old farts" dürfen gerne bleiben, aber die Bewegung sollte nicht von ihnen abhängen.

Vor allem weil OSS viele Freizeitprojekte beinhaltet, sind historisch viele Schüler und Studenten, aber zunehmend auch Rentner stark vertreten. Ausgrenzung zwischen diesen Gruppen ist nicht nur unhöflich sondern könnte ältere Projekte allmählich verwaisen lassen.

Ich denke, bessere Zusammenarbeit könnte außerdem auch den Output verbessern.

@Haydar

@Haydar ja und nein: Also zumindest in meinen persönlichen Umfeld sehe ich viele junge Nutzer und auch contributer.

Ich vermute dein Eindruck wird etwas stärker sein, als die Realität, weil du einfach durch dein Alter mehr Leute in deinem Alter kennst und, weil meine Generation nicht besonders stark ist.

Aber unter Technikbegeisterten ist der Anteil an FOSS-begeisterten sicherlich gesunken, aber es wurden ja auch riesige neue Zielgruppen erschlossen.

@Haydar @xanderio Würde das Problem tatsächlich eher der Open-Source-Szene anlasten. Aus meinem persönlichen Umfeld kann ich sagen: Es gibt junge Leute, die Dinge mit OSS machen. Sie sind nur nicht wirklich sichtbar.

(Das war auch einer meiner ersten Eindruck von der Froscon: Wow, sind die alle alt.)

@Haydar @xanderio Ich finde aber auch diesen Personenkult um Torvalds schwierig.

@ytvwld @Haydar Genau das, hier würde halt Torvalds als Beispiel genutzt

@ytvwld @xanderio
Vielleicht wird es auch Zeit für was neues. Der Linux Kernel ist auch fast 30 Jahre alt - sich als junge*r Entwickler*in da neu einzuarbeiten stell ich mir schwierig vor.

@Haydar @xanderio Naja, dazu bräuchte man ja "nur" gute Doku für Leute, die da neu einsteigen möchten. Das ist auch ein Problem, aber ein anderes, glaube ich.

@Haydar kann ich jetzt nicht bestätigen. Klar, mit fünfzehn werden die meisten Menschen sich nicht abseits des Mainstreams beschäftigen, außer sie programmieren sowieso. Aber 20+, gar kein Problem.
@zaehnchen @Haydar klingt nach selektiver Wahrnehmung. In jeder Generation gibt es Nerds. Nur sind natürlich die in den "hohen Posten" alle alt (siehe Generationenkonflikt und ungerechte Machtverhältnisse), weil die darauf aufpassen, ihre Posten zu behalten, indem sie keine Jungen hoch kommen lassen

@Haydar Ich kenne durch #jugendhackt sehr viele Junghacker*innen und auch im Chaosumfeld recht viele junge (<30) FLOSS-Entwickler*innen. Aber das ist in der Tat eine wichtige Fragestellung, wie es gelingen kann, junge Leute in die vielen bestehenden (GNU/Linux-)Projekte reinzuholen...

@Haydar @fluxx Bubble. Ich kenn' kaum einen über 40 ¯\_(ツ)_/¯ außer in richtig großen Projekten, wo Gatekeeper quasi verhindern dass junge Leute in exponierte Position kommen.

@amenthes @fluxx das mit der Bubble kann natürlich gut sein.
Die Gatekeeper sind m.E. tatsächlich ein Problem.

Vor allem die Leute an der Spitze, die meinen "ich mach das seit 30 Jahren, nur ich hab den Durchblick". Sieht man aber auch in anderen Gruppen, z.B. in Parteien.

@Haydar @amenthes @fluxx volle Zustimmung. "Alteingesessene" Vereine sind ähnlich dran. Beschweren sich über Nachwuchsprobleme bei Vorstandsarbeit, wollen aber auch keine Privilegien oder Gestaltungsspielräume abgeben.

@Haydar @fluxx ich hab das große Glück, dass ich in (inzwischen, nacheinander) vier Vereinen Vorstandsarbeit machen durfte, ganz am Anfang war ich ca. 16 oder so. In dem Verein hat das erstaunlich funktioniert, weil der Präsident wusste, wo seine Kompetenzen liegen und was er "uns" übertragen kann bzw. sollte.

@Haydar etwas aufzubauen ist immer viel einfacher als es fortzusetzen! Es kommt noch dazu, dass die dominierende Generation nicht sehr gut darin ist ihre Erfolge so gut zu verkaufen, dass andere sie fortsetzen wollen. Außerdem ist die FOSS Welt extrem fragmentiert und bekämpft sich an vielen Stellen selbst, so dass absolut keine rote Linie erkennbar ist, der man als junger Mensch folgen könnte.

@Haydar @fluxx ich widerspreche. Prometheus, Kubernetes usw. sind eher von jungen Leuten getrieben. Das sind zwar keine Grundlagen, aber das Rad wurde auch nur einmal erfunden.

@Haydar Könnte das was mit den Privilegien zu tun haben, die diese Menschen auf sich vereinen?
Ich jedenfalls hatte weder Vorbilder noch die Möglichkeiten, früh in die Programmierung einzusteigen.

Heute wird dazu noch permanent so hoher Druck erzeugt, dass selbst privilegierte Personengruppen darauf achten, nur nicht vom (Karriere)pfad abzuweichen. Die Zauberworte heißen "funktionieren" und "optimieren".

@Haydar Weiterer wichtiger Punkt: Das elitäre Getue bzw. toxische Verhalten, das sich häufig zeigt. "Benevolent Dictator for Life" klingt jedenfalls nicht sehr einladend. Mich schreckt so was ab.

Zu guter Letzt: Techniker neigen dazu, alles nur technisch zu sehen. Das merke ich gerade jetzt als Geisteswissenschaftler auf Jobsuche in der IT-Welt. Dadurch wird es einem echt schwer gemacht, reinzukommen.

@Haydar Dabei braucht es _D.R.I.N.G.E.N.D_ weitere Perspektiven und Fähigkeiten, damit zum Beispiel Dokumentationen endlich mal zielgruppengerecht oder wenigstens verständlich formuliert werden. Als ich mal auf einem Samsung-Handy ein alternatives OS installieren wollte, bin ich schier verrückt geworden. Es war alles so schlecht und lückenhaft beschrieben, dass ich nach der Erfahrung keine Lust mehr hatte, mich noch mal damit zu beschäftigen.

My 2 cents. Fröhliche Weihnachten!

@eishle Das ist ein generelles Problem bei Software. Dokumentation schreiben macht ḱeinen Spaß. Bei freier Software kommt oft noch dazu, dass dies alles freiwillig ist.

Andererseits ist meine Erfahrung auch: Wenn ich bei freier Software ein Problem habe und dazu was suche, finde ich meist auch irgend etwas, und sei es bei stackoverflow.

Bei proprietärer Software ist meistens, abseits von schlechten Artikeln in der MS-KB, Fehlanzeige.

@eishle Das mit dem alternativen OS auf Smartphones ist eine Sache, die auch den Smartphone-Herstellern geschuldet ist.

Die nageln die Teile zu und wollen nicht, dass da etwas anderes installiert wird. Es finden sich dann oft aber doch Wege, aber diese sind so komplex, dass ich auch nicht wüsste, wie man das einfach erklärt.

@eishle @Haydar Ohne das jetzt als Angriff zu meinen: Meine Freundin (technisch relativ unbedarft) hatte in 4h LineageOS auf ihrem Samsung Smartphone. Alleine, ohne meine Hilfe. Es liegt vermutlich auch am Gerät und an der Tagesverfassung der aufspielenden Person.

@jom @Haydar Schön für deine Freundin, hilft in der Sache aber nicht weiter.

@eishle @Haydar Ich wollte nur sagen dass es da auch andere Beispiele gibt. Ich hoffe ja dass du, nachdem du es verstanden hast, die Doku verbessert hast. Dann haben andere diese Probleme nicht mehr. :)

@jom @Haydar Davon ab, dass hier noch nicht mal eine vernünftige Doku gab, sondern ich mir alles zusammensuchen musste, wiederhole ich mich gern noch mal: "Es war alles so schlecht und lückenhaft beschrieben, dass ich nach der Erfahrung _keine Lust mehr hatte, mich noch mal damit zu beschäftigen_."

@eishle Das mit dem Elitengehabe und dem toxischen Verhalten ist richtig und nehme ich auch so wahr.

Es gab in letzter Zeit jedoch auch einige Initiativen um das zu ändern. Es gibt einen Code of Conduct, auf Geek-Events gibt es zunehmend Anti-Diskriminierungs/Awareness-Teams und neulich wurde eine PHP-Konferenz komplett abgesagt, weil es nur weiße, männliche Speaker gegeben hätte (2019.phpce.eu/en/).

@Haydar @eishle wenn ich das richtig in Erinnerung habe war das aber kein „ups! Sorry, Fehler gesehen, wird geändert!“ sondern ein „Mimimi! Nach dem unnützen Theater haben wir auch kein Bock mehr!“ und das halt kein deut besser.

Leider finde ich spontan den Blog Post dazu nicht mehr...

@kurzgedanke Wenn du den findest, sag gern Bescheid. Ich glaube, ich schreibe dazu morgen mal einen Post, damit das Thema im Fediverse nicht untergeht.

@eishle @Haydar dazu kommt definitv noch dass Torvalds und Co beim Einstieg das ganze als just-for-fun Hacking Projekt betrieben haben. Da konnte man ausprobieren, Fehler machen, "Just a hobby".

Heutzutage wird man halt gleich Mal auf der Linux Mailingliste rundgemacht. Es ist nicht mehr nur Hobby sondern eben Business.

@eishle @Haydar übrigens würde ich auch nicht sagen dass die aktuellen Generationen nichts machen bzgl. Open source. Man sucht sich halt seine eigenen Nischen. Statt ein Betriebssystem im Spirit der 70er zu entwickeln baut man halt was in Go, Javascript oder Python.

@holger @eishle So weit ich das mitkriege, ist Rust der neueste heiße Scheiß.

Aber klar, das ergibt schon Sinn. Statt sich als Neuling in was einzuarbeiten, was es schon 30 Jahre gibt macht man lieber was neues, hippes. Das soll kein Vorwurf sein, im Gegenteil. Ich hoffe ja von den jungen Leuten kommt etwas, was alte Dinge über den Haufen wirft. Von mir aus auch ein neuer Kernel in Rust :)

@eishle @Haydar "freie Software" und "Open source" sind leider auch antworten schuldig geblieben, was Ausbeutung / Entlohnung angeht. Ich sehe da massive Probleme gerade bei Personen unter 30 die letztlich für Unternehmen entwickeln aber keinen Cent Entlohnung sehen, und all dass mit einer Freiheits-Erzählung gerechtfertigt.

@Haydar die Frage ist doch auch nicht wieso, die jüngeren in Floss aussterben, sondern warum die Generation der Eltern es offensichtlich versäumen diesbezüglich den Jungen etwas mitzugeben. Ich denk da zb an meinen 12 jährigen Neffen: nur ein angehender Nutzer, der mit iOS und macOS und ein wenig windows aufwächst. Was hat linux ihm hier zu bieten? Wo bekommt er zB ein Tablet,her mit Floss. Solange der Zugang so schwierig ist, wie kann man ihn da Vorteile vermitteln

@Haydar sprich: wenn er nicht selbst zum Nerd wird, wird er nie einen Grund haben floss zu nutzen.

@eljay Ja, die Problematik von freier Software auf Mobilgeräten ist nach wie vor nicht gelöst.

Dabei ist es fast schon tragisch. Linux als freie Software bildet die Grundlage für das beherrschende Mobil-Betriebssystem, aber auf dem System selbst werden vorwiegend proprietäre Apps eingesetzt und die Geräte sind so zugenagelt, das man kaum ein anderes OS installieren kann.

@Haydar zumindestens interessiert sich ein Großteil der späteren Generation nicht mehr für die Hintergründe. Und schon gar nicht für Datenschutz & Co. Erlebe ich täglich im Berufsleben und bei meinen eigenen "Kids".

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