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Für die „wir haben genug Betten“ Fraktion: was gerade in einem Behindertenwohnheim in Köln vor sich geht. Fast alle Menschen, die hier leben, gehören zur Risikogruppe. Vor zwei Tagen wurde bei einem Bewohner eine Covid-Infektion festgestellt. Ursprung unbekannt, vermutlich sich auf der Arbeit angesteckt.

Das ohnehin unterbesetzte Wohnheimpersonal hat es nun geschafft, einen Schnelltest für alle Bewohner*innen aufzutreiben. Ergebnis: vier Menschen (die Hälfte einer Gruppe) sind infiziert.

Jetzt versucht man, so gut es geht, diese Gruppe von den anderen zwei Gruppen im Haus zu isolieren. Man versucht auch, die infizierten Bewohner*innen auf ihren Zimmern zu halten – was allerdings nur bedingt funktioniert. Aber selbst, wenn das klappen sollte, ein negativer Test kann ja auch bedeuten, dass die Krankheit lediglich noch nicht ausgebrochen ist.

All das ist reine Improvisation des Personals. Vom Gesundheitsamt kommt bislang rein gar nichts, denn die sind überlastet.

Endergebnis: in diesem Wohnheim sind alle in Quarantäne und müssen möglichst auf ihren Zimmern bleiben. Selbst wenn Quarantäne vorbei ist, ist Arbeit mindestens bis zum Jahresende gestrichen, weil aktuell zu riskant. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige Menschen hier die Infektion nicht überleben, ist hoch. Ob und wann Angehörige sie sehen dürfen, ist noch unklar.

Und jetzt erzählt mal weiter, wie wichtig eure Geburtstagsfeier oder ein Schnitzel im Restaurant sind.

Die Angehörigen beklagen sich übrigens auf WhatsApp, dass sie nicht auf dem laufenden gehalten werden. Auch telefonisch ist das Wohnheim kaum zu erreichen. Denn: das Personal ist sowieso knapp, und der Personalschlüssel ist gar nicht dafür ausgelegt, dass alle Bewohner*innen tagsüber im Haus bleiben. Dazu kommt noch erheblicher Covid-bedingter Mehraufwand. Ich bin erstaunt, dass die Mitarbeiter*innen es überhaupt schaffen, etwas den Angehörigen mitzuteilen. Mehr Personal kommt aber nicht.

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