Die FDP-Typen treiben die Sache mit der Individualisierung der Verantwortung wirklich auf die Spitze. Drüben auf Twitter habe ich erwähnt, dass ich nach meiner Ankunft in Deutschland auf die Hauptschule geschickt wurde. Und dann kommt als Antwort:

> Das ist dann aber auch nur teilweise die Schuld der Gesellschaft und teilweise die Ihrer Eltern.

Ja, dieser privilegierte Typ kann es sich wohl nicht vorstellen, wie es ist, rein gar nichts über ein Land zu wissen.

Wir kamen aus einem Land, wo es nur eine Schulart gab. Woher sollten wir wissen, dass es in Deutschland einen solchen Unterschied macht, auf welche Schule man geht? Niemand es uns gesagt, wir wurden auch nicht gefragt, welche Schule wohl passen würde.

Und wir waren in einem Dorf, ohne Auto, konnten uns also nicht wirklich einen Überblick verschaffen darüber, was es gibt. Alle anderen Kinder in dem Wohnheim gingen auch auf die Hauptschule, das war „normal“.

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Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern die Übersetzung nachgeschlagen haben: *Haupt*schule bedeutet wohl so etwas wie die zentrale Schule. Hört sich gut an, scheint nicht verkehrt zu sein. Mehr Informationsquellen hatten wir nicht.

Und es ist auch nicht so, dass das deutsche Bildungssystem es einfach machen würde, diesen Fehler zu korrigieren. In meinem Fall hat es beinahe vier Jahre gedauert, bis ich es von der Hauptschule über die Realschule aufs Gymnasium geschafft habe.

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