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Die FDP-Typen treiben die Sache mit der Individualisierung der Verantwortung wirklich auf die Spitze. Drüben auf Twitter habe ich erwähnt, dass ich nach meiner Ankunft in Deutschland auf die Hauptschule geschickt wurde. Und dann kommt als Antwort:

> Das ist dann aber auch nur teilweise die Schuld der Gesellschaft und teilweise die Ihrer Eltern.

Ja, dieser privilegierte Typ kann es sich wohl nicht vorstellen, wie es ist, rein gar nichts über ein Land zu wissen.

Übrigens ist das Russische zwar wegen der zahlreichen Ausnahmen gefürchtet, aber das grammatikalische Geschlecht eines Wortes lässt sich fast immer korrekt aus der Endung ableiten. Auch die Deklination folgt meist einem der wenigen Schemata, die sich aus der Wortendung ergeben. Nur falls ihr euch beschweren wollt, dass ihr in der Schule Russisch lernen musstet, und wie furchtbar kompliziert das war. 😜

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Das wollten sie wiederum nicht akzeptieren, also haben wir die Deklination mit einigen realen und erfundenen Wörtern durchgespielt. Irgendwie kam sie dann auf „die Busen“, und dieses Wort ist tatsächlich etwas ganz Besonderes. Ich habe meiner Frau die Augen geöffnet, dass es dazu einen Singular gibt, und dieses nicht etwa „die Buse“ heißt, sondern „der Busen“. Damit war die Diskussion vorbei.

Eine ganz schön unlogische Sprache habt ihr da. 😂

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Meine Frau und ich hatten eine Diskussion über die deutsche Sprache. Sie meinte, dass es im Deutschen konsequente Deklinationsregeln gibt, lediglich mit einigen Ausnahmen. Ich hielt dagegen, dass im Wörterbuch zwei Dutzend Deklinationsschemata stehen, und die Wörter werden auf nicht nachvollziehbare Weise einem dieser Schemata zugeordnet – gelegentlich sogar mit wortspezifischen Abweichungen. Und dass sie nur deswegen den Dreh raus hat, dass sie diese Zuordnungen mittlerweile auswendig kennt.

Es wurde „Hexe, was kochst du heute“ gespielt, und anscheinend steht heute „Papa mit Salat“ auf dem Speiseplan. 😕

Außerdem gibt es einen leichten Beigeschmack, scheinbar von irgendwelchen Zusätzen im Kalinka. Nächstes Mal nehme ich also zwei Liter Milch auf dieselbe Menge.

Vorerst will ich aber wieder den Kefir aufsetzen, den ich schon habe. Dieser Prozess lässt sich nicht beliebig weiter treiben. Soweit ich es verstanden habe, gesellen sich über Zeit zu den Kefirpilzen weitere Kulturen dazu, was den Geschmack verdirbt. Von maximal dreimal neu aufsetzen war die Rede.

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Da wir coronabedingt aktuell die Geschäfte, wo es guten Kefir gibt, nicht mehr aufsuchen, ist unsere Eigenherstellung von Kefir erfolgreich angelaufen.

Für den ersten Versuch habe ich einen halben Liter Kalinka-Kefir mit einem Liter Milch 24 Stunden stehen lassen. Das Ergebnis war schon ganz gut und deutlich besser als Kalinka, aber man muss den Kefir wohl etwas länger stehen lassen – nächstes Mal wohl 36 Stunden.

Die Angehörigen beklagen sich übrigens auf WhatsApp, dass sie nicht auf dem laufenden gehalten werden. Auch telefonisch ist das Wohnheim kaum zu erreichen. Denn: das Personal ist sowieso knapp, und der Personalschlüssel ist gar nicht dafür ausgelegt, dass alle Bewohner*innen tagsüber im Haus bleiben. Dazu kommt noch erheblicher Covid-bedingter Mehraufwand. Ich bin erstaunt, dass die Mitarbeiter*innen es überhaupt schaffen, etwas den Angehörigen mitzuteilen. Mehr Personal kommt aber nicht.

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Endergebnis: in diesem Wohnheim sind alle in Quarantäne und müssen möglichst auf ihren Zimmern bleiben. Selbst wenn Quarantäne vorbei ist, ist Arbeit mindestens bis zum Jahresende gestrichen, weil aktuell zu riskant. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige Menschen hier die Infektion nicht überleben, ist hoch. Ob und wann Angehörige sie sehen dürfen, ist noch unklar.

Und jetzt erzählt mal weiter, wie wichtig eure Geburtstagsfeier oder ein Schnitzel im Restaurant sind.

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Jetzt versucht man, so gut es geht, diese Gruppe von den anderen zwei Gruppen im Haus zu isolieren. Man versucht auch, die infizierten Bewohner*innen auf ihren Zimmern zu halten – was allerdings nur bedingt funktioniert. Aber selbst, wenn das klappen sollte, ein negativer Test kann ja auch bedeuten, dass die Krankheit lediglich noch nicht ausgebrochen ist.

All das ist reine Improvisation des Personals. Vom Gesundheitsamt kommt bislang rein gar nichts, denn die sind überlastet.

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Für die „wir haben genug Betten“ Fraktion: was gerade in einem Behindertenwohnheim in Köln vor sich geht. Fast alle Menschen, die hier leben, gehören zur Risikogruppe. Vor zwei Tagen wurde bei einem Bewohner eine Covid-Infektion festgestellt. Ursprung unbekannt, vermutlich sich auf der Arbeit angesteckt.

Das ohnehin unterbesetzte Wohnheimpersonal hat es nun geschafft, einen Schnelltest für alle Bewohner*innen aufzutreiben. Ergebnis: vier Menschen (die Hälfte einer Gruppe) sind infiziert.

In Köln (und ähnlich in NRW allgemein) ist erstmals seit geraumer Zeit ein Seitwärtstrend bei den Infektionszahlen zu beobachten. Meine Frau ist da recht zynisch und meint, dass es nicht etwa mit dem Erfolg irgendwelcher Maßnahmen zu tun hat, sondern schlichtweg mit den Herbstferien (zeitlich kommt es hin). Und ich habe Angst zu erfahren, inwiefern das Infektionsgeschehen wirklich durch die Schulen angefeuert wird. Das Schulministerium besteht ja vehement auf „gar nicht“ als Antwort…

Ich würde gerne weniger pessimistisch sein. Wenn aber nach diesen vier Jahren der Wahlausgang derart knapp ist, habe ich für die USA wenig Hoffnung. Es ist eine kaputte Demokratie, und auch ein Sieg Bidens ändert wenig daran. In vier Jahren wird es wieder heißen: „Nazis oder demokratische Rechte?“ Und die Ersteren werden wie immer eine realistische Chance auf einen Sieg haben.

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Falls Biden gewinnt, wird es ein knapper Sieg sein. Verfassungsänderungen werden kompliziert oder gar nicht machbar sein. Ein gerechteres Wahlrechts? Nicht machbar. Damit bleibt die Wurzel des Übels, und in vier Jahren haben wir wieder eine durch Wählerunterdrückung angefeuerte Zitterpartie.

Konsequenzen für Trumps Machtbasis? Wird es wahrscheinlich auch kaum geben, mit demokratischen Mitteln nicht durchsetzbar. Wenn denn überhaupt noch jemand ein Interesse daran haben wird…

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Irgendwo auf Twitter hat ein US-Amerikaner die Deutschen nach Erfahrungswerten gefragt, wie es nun weitergeht, wenn Biden gewinnt. Leider basiert die Frage zwei Fehlannahmen:

1. Dass die deutsche Entnazifizierung ein durchschlagender Erfolg war.
2. Dass die Situation der USA irgendwie vergleichbar wäre.

Tatsächlich hatten die Besatzungsmächte in Deutschland einen deutlich größeren Spielraum, als es ihn nach einem demokratischen Machtwechsel gibt.

Einer der Artikel über bilinguale Kinder geht anscheinend davon aus, dass diese zum Schuleintritt in der Regel 200-300 Wörter in der Sprache ihrer Eltern sprechen. Ich frage mich, ob das eine realistische Einschätzung ist. Zum Vergleich: K1 hatte mit 20 Monaten einen Wortschaft von etwa 150 Wörtern (wir haben 120 aufgeschrieben, aber einige sicherlich vergessen). Mit 300 Wörtern kann man sich selbst im Alltag kaum verständigen.

Jedenfalls werden wir hier wohl in der nächsten Zeit viel Nachforschung betreiben müssen. Wenn also jemand gute Materialien zum Thema kennt, wäre ich für Hinweise dankbar. es muss nicht zwingend um Russisch gehen – Kinder mit anderen Muttersprachen haben ja dasselbe Problem.

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Persönlich finde ich es fraglich, ob Schreiben überhaupt notwendig ist. Heutzutage wird kaum noch per Hand geschrieben. Wieso sollte man da noch zweisprachig schreiben können? Auf Russisch tippen zu können würde schon reichen.

Klar will die Lehrerin dem Kind Grammatik beibringen und Diktate schreiben. Dafür ist eine geübte Schreibschrift die Voraussetzung. Ob das aber auch sinnvoll ist? Vermutlich würde es mehr bringen, möglichst viel auf Russisch zu lesen…

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So langsam wird für uns die Frage kritisch: wie bringt man einem in Deutschland aufwachsendem Kind sinnvoll Russisch bei? Das bisherige Ziel der Lesefertigkeit ist größtenteils erreicht. Die Russischlehrerin klagt, dass das Kind wenig Interesse am Schreibenlernen zeigt. Das ist freilich wenig verwunderlich – davon hat es schon genug im Deutschunterricht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Methodik des Russischunterrichts sich seit der Sowjetunion kaum entwickelt hat und Spaß am Lernen verdirbt.

Wir haben die Kinder mit den Wundern des Roulette-Spiels bekannt gemacht. K1 hat schnell die risikoarme Strategie gewählt, hat also lange mit geringen Gewinnen, aber auch ohne wirkliche Verluste gespielt. K2 hat noch kein so gesichertes Verhältnis zu Zahlen, hat die Chips also anfangs nur nach Farbe ausgewählt. Das Kind hat aber schnell erkannt, wie sich spektakuläre Gewinne realisieren lassen – musste zwar zweimal „Kredit“ aufnehmen, war am Spielende aber heftig im Plus.

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