Show newer

Aber mit drei Jahren hatten beide Kinder letztlich einen ähnlich großen aktiven Wortschatz und einen ähnlich komplexen Satzbau. Beides ging über das hinaus, was normalerweise bei Kindern diesen Alters erwartet wird.

Das ist ein Muster, das ich bei unseren Kindern öfter sehe. Völlig unterschiedliche Wege führen letztendlich zum fast identischen Ergebnis.

Show thread

K2 hat nie aktiv gefragt, wie etwas heißt. Stattdessen hat das Kind ganz genau beobachtet, wie wir in welchen Situationen kommunizieren. Wir wussten nie, welche Wörter das Kind beherrscht, weil es hier immer um Kommunikationsinhalte und nicht um Wörter ging.

Auch bezeichnend: K1 war lange ein großer Fan von Kindergedichten. Der Rhythmus, das Reimen, das war dem Kind wichtig. K2 dagegen konnte nie viel mit Gedichten anfangen und wollte Geschichten hören.

Show thread

Später lernte das Kind, diese Wörter auch so auszusprechen, dass wir sie verstanden. Alle Wörter, bei denen es klappte, wurden immer wieder verwendet. Als das Kind 20 Monate alt war, haben wir sogar eine Liste dieser Wörter erstellt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nicht viel vergessen haben.

Und K2? Völlig anders. Hier ging der Spracherwerb primär vom Mitteilungsbedürfnis aus. Das Kind hatte Wünsche, und es musste sich verständlich machen.

Show thread

Ein Aspekt, bei dem mich die unterschiedlichen Herangehensweisen unserer Kinder beeindruckt haben, war der Spracherwerb.

Bei K1 war der Spracherwerb immer vom Wunsch nach Erkenntnis getrieben. Dementsprechend fand das Kind schon mit 10 Monaten einen Weg, uns nach der Bezeichnung eines Gegenstandes zu fragen. Davon machte es dann auch ständig Gebrauch.

Insgesamt bin ich erstaunt, wie die Leute dazu kommen, Pauschalurteile über Kinder abzugeben. Haben sie selber Kinder?

Für uns war K2 der Moment der Wahrheit. Fast alles, was wir über Kinder wussten, war plötzlich nutzlos und musste neu erarbeitet werden. Ich habe gelegentlich gescherzt, dass die Kinder absichtlich bei allen Themen diametral entgegengesetzte Positionen einnehmen.

Wenn schon unsere zwei Kinder derart verschieden sind, was kann man da über die Kinder anderer Leute sagen?

(Unsere Kinder sind übrigens untypisch. Bilingualität macht Kita zumindest am Anfang deutlich anstrengender.)

Problematisch ist in dem Zusammenhang eher, dass man Kinder in der Kita gleich bei der Geburt anmelden muss, wenn man eine Chance auf einen Platz haben will. Da weiß man aber natürlich noch nicht, wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg sein wird. Dass Eltern diese Flexibilität nicht bekommen (auch im Hinblick auf Arbeitgeber, Elterngeld etc.), das gilt IMHO zu kritisieren.

Show thread

Heute was gelernt: es gibt anscheinend Leute, die meinen, dass Kinder erst mit 3 Jahren in die Kita sollen, weil es sonst schlecht für sie ist.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: es ist definitiv vom Kind abhängig. Wir hatten ein Kind, das erst mit 3 Jahren in die Kita kam, und es war definitiv richtig so. Wir hatten ein anderes Kind, das schon früher bereit für die Kita war, und es war ebenfalls gut so.

Es sind jetzt übrigens 12 von 19 Kindern in „Notbetreuung“. Früher waren es drei, aber ich kann es den Eltern nicht verübeln. Allmählich verlieren alle die Geduld, bei den halbgaren Maßnahmen…

Show thread

Highlight des Tages: K2 hat auf dem Spaziergang die eigene Kitagruppe auf dem Spielplatz entdeckt, die waren zum Spielen aus der Kita. 😢

Die Infektionszahlen in Köln gehen erstmals seit Dezember nach oben. Ich vermute, dass ein Zusammenhang zu dem Covid-Ausbruch in einem Flüchtlingsheim besteht. Eigentlich hat man Flüchtlingsheime und Gefängnisse schon letztes Jahr als problematisch erkannt. Aber getan wurde meines Wissens nach nichts. Hotels sollen lieber leer stehen, als dass man diese Ressource nutzt, um Menschen in Sicherheit zu bringen…

Und ehe mich hier jemand missversteht: Vollbetrieb in Schulen und Kitas (denn die sind ja aktuell nicht zu) ist sicherlich nicht die Lösung, sondern zur Zeit völlig verantwortungslos. Man müsste die Infektionszahlen drastisch senken, indem man beispielsweise Büros konsequent schließt.

Show thread

Zur aktuellen Situation der Eltern:

Neben der Frau, die in ihrem Verkaufsstand Crepes macht, sitzt ein Mädchen und lernt Mathe (1. Klasse). Meine Frau hat gefragt, ob sie ihre Tochter jedes Mal zur Arbeit mitnehmen muss (ja, keine andere Möglichkeit) und wie lang das dann dauert (von 11 bis 18 Uhr). Und übrigens sei im Auto noch ein dreijähriges Kind.

K1 hat übrigens die Lehrerin gefragt, warum es die Videokonferenz nur zweimal die Woche gibt und dann nur für 40 Minuten. Tja, die Lehrerin ist in „Notbetreuung“ eingespannt. In die immerhin ein Drittel der Klasse geht… 😢

So, K1 hat sich für Paläontologie entschieden und K2 für Pädagogik. Das Thema „Berufswahl“ können wir dann abhacken…

Es wird immer deutlicher, dass K2 einen Malkurs braucht. Das Kind malt für das Alter ausgezeichnet, wir können das aber selber nicht fördern.

Können sich vielleicht alle mal zusammenreißen und diese Pandemie schnell beenden? Wenn ich ganz freundlich bitte? 🙏

Die Kinder (ja, beide) finden es toll, dass gelegentlich eine Erzieherin aus der Kita kommt, um zu fragen, wie es ihnen geht. Heute hat sie auch ein Lied mitgebracht, das die Kinder lernen können.

Die Erzieherin klagt darüber, dass sie nun im Homeoffice den gesamten Papierkram erledigen muss. Und dass einige Eltern denken, die Erzieher*innen würden jetzt faul herumsitzen und deswegen die Kinder nicht haben wollen…

Die Brille von K1 ist seit zwei Wochen kaputt und wir haben es noch nicht geschafft, sie zur Reparatur abzugeben. Heute war das Kind dann beim Augenarzt, und: wow, es braucht die Brille nicht mehr! 🎉 🥂

In 6 Monaten ist dann der nächste Termin und ich hoffe, dass es dabei bleibt.

Manchmal denke ich: es hat etwas positives, dass ich meine Kindheit in der Sowjetunion verbracht habe. So habe ich keine andere Wahl, als mich mit einer veränderten Welt auseinanderzusetzen. Ich werde nicht zu einem dieser alten Männer, die alles schlecht finden, was es in ihrer Jugend nicht gegeben hat.

Dann rede ich mit anderen Leuten, die aus der Sowjetunion kamen, und merke: das mit „keine andere Wahl“ war vielleicht etwas optimistisch gedacht…

Ach ja, noch eine Sache: die Einschätzung, dass man dem Kind kognitiv alles aufbürden muss, was es im Moment schaffen kann, teile ich nicht. Es gibt Kinder, die schon in der Grundschule Logarithmieren lernen könnten. Es hat aber keine Nachteile, wenn sie das später machen.

Dagegen muss soziale Entwicklung zum richtigen Zeitpunkt stattfinden, sie ist sehr schwer nachzuholen. Das ist IMHO der Grund, warum Inselbegabte im Leben so oft scheitern. Hier sind freie Kapazitäten sinnvoller eingesetzt.

Show thread

Insgesamt sind die Abwägungen also u.a.:

1. Braucht das Kind es? Wenn es sich nicht im Unterricht langweilt, dann gibt es keine zwingende Notwendigkeit.

2. Ist es nachher sozial signifikant schlechter aufgestellt? Wenn es aktuell gemobt wird, wahrscheinlich nicht. Ansonsten muss man sehr kritisch hinschauen.

3. Ist Sport verzichtbar? Wenn die Einstellung hier jetzt schon negativ ist, dann hat man natürlich wenig zu verlieren.

Show thread
Show older
Mastodon

The social network of the future: No ads, no corporate surveillance, ethical design, and decentralization! Own your data with Mastodon!