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Ok. Ein bisschen teilnehmende Beobachtung von für all euch

1. Die sind jünger als ich dachte. Der Altersmedian war eher so 16 als 18 gefühlt. Kaum Studis, viel Mittelstufe. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Bewegung jemals so jung war.

2. Die Schilder-mal-Quote war die höchste, die ich je erlebt hab. Für mich immer ein Indiz, wie involviert die Leute sind.

3. Ich hab auch noch nie eine Demo erlebt bei der die Leute am Ende nach 2 Stunden _mehr_ Parolen gebrüllt haben als am Anfang. Das kenne ich sonst nur umgekehrt.

4. Wer es schafft dass tausende Kinder eine Schweigeminute einhalten, der schafft es vermutlich auch das Klima zu retten.

5. Sehr viel Anspielungen auf Sex und Drogen auf den Schildern. Kenne ich sonst in dem Ausmaß auch nicht.

6. Mir wurde ein Gerücht zugetragen, dass früher dort auch "A-A-Anticapitalista" gerufen wurde, dass es aber einen Aufruf gab, dass nicht mehr zu tun um Kapitalismusfans nicht auszuschließen. Auf Schildern und Co hab ich nur Anti- aber nix auch nur entfernt prokapitalistisches gelesen.

7. Die Demo zauberte viel Lächeln auf Passantengesichter, dass jemand dem klassischen Ruf "Leute lasst das Glotzen ein, reiht euch in die Demo ein" gefolgt wäre, hab ich trotzdem nicht mitbekommen.

8. Ich habe auch noch keine Bewegung erlebt, die ihre eigene Kontinuität so sehr in den Vordergrund rückt. "Wir hören erst auf, wenn sich was ändert" klingt für mich da so glaubhaft wie nie zuvor. Ich bin gespannt wie die Dynamik weiter geht.

9. Da mit zu laufen fühlt sich an wie in einem See von Energie zu schwimmen.

10. und vorläufiges Fazit: Diese Gesellschaft ist auf diese Generation nicht vorbereitet und das ist gut so.

achja zwei hab ich noch:

11. Ich hab die Parole "Nie, nie, nie wieder Kohle" da zum ersten mal gehört (und sehr häufig) und mir gefällt ihre Doppeldeutigkeit sehr.

12. Ich hab auch noch nie so höfliche Parolen gehört. Alle Wechselparolen wo es eine_n Vorturner_in gab wurden mit "Danke" - "Bitte" beendet :D

ok, doch noch eins:

13. Generell war der inhaltliche Fokus sehr auf "End Coal Now". Finde ich gerade in Deutschland klasse, weil das hier unser Hauptproblem aktuell ist und der vermutlich größte Hebel, den die deutsche Politik aufs Klima hätte, wenn sie denn wollte.

@benni Bin gespannt wie die ganzen Demos sind entwickeln wenn erstmal Sommer bzw Sommerferien sind und der Hype abflacht, da es dann wieder cool ist Insta-Fotos im Schwimmbad zu machen oder per Flieger auf die Seychellen in den Urlaub abzudampfen

@benni wiederholt sich alles. Was waren die Friensdemos, die Menschenketten der 80er? Als Nullbocknofuture damals verspottet, der Karrieren privat und beruflich entraubt bis heute, als Staatsfeinde verfolgt. Das sind die echten Ökos der Pionierarbeit!

@damuc ich war damals dabei (in dem Alter in dem mein Sohn heute ist) und das war ganz anders. Überhaupt nicht vergleichbar. Da waren fast keine Kinder ohne Eltern. Hier waren nur sehr wenige Erwachsene.

@benni Interessant. Ich wehre mich gegen die Pauschalverunglipfungen der "alten Säcke" oder der Generation der Babyboomers, auf Pauschalversagen. Das soll die Generation Facebook und Twitter sein? Die Grünen waren frisch im Bundestag wirklich eine Revolution, und ihre Anhänger wurden bekämpft ohne Ende! Auf der Arbeit der Alt-Ökos kann diese Generation Z sich ausruhen!

@benni Wir wurden damals als NullBockNoFuture verspottet. Und wenn man sich damals die Ausmasse der Umweltvergiftungen klarmachte, dann konnte man tatstächlich halb verrückt und ohnmächtig werden, so dass man aus Selbstschutz schon aussteigen musste! Umstellungen auf Lacke und Farbe ohne Lösemittel, die chemischen Reinigungen dürfen vieles nicht mehr verwenden, die Asbest-Debatte, die Elektrosmog-Debatte, das alles kostete Kraft!

@benni Mülltrennung, liebe kids, gabs in den 80ern Nullkommanull! Meine Schülermitverwaltung hat damals an der Schule ca. 1984 Mülltrennung propagiert! Mein Vater hatte mir einen Magneten gegeben fürs schwarze Brett, damit jeder testen konnte, ob Blech oder Plastik! Heutzutage überall normal, der gelbe Sack oder was auch immer. Wertschätzung der Rohstoffe! Rückgabe von Elektroschrott an Wertstoffhöfen usw.

@damuc Hm. Als jemand, der in seiner Jugend in den 80ern auch ziemlich massiv auf Demos war erkenne ich gut, wer mit "alte Säcke" gemeint ist, denn auch wir haben damals diesen Begriff verwendet.
Ich sage auch "alte weiße Männer", weil der Begriff Kontext hat (der gibt dem Ausdruck ein "bestimmte" davor, nicht ein "alle").
D.h. man muss sich da auch als alter Mann mit weißer Hautfarbe gar nicht mitgemeint fühlen wenn man dem, was damit gemeint ist, nicht entspricht, weil man nicht gemeint ist.

@jensscholz im norddeutschen Raum ist "alte Säcke" vermutlich schon geflügeltes Wort, auch durch so manchen Humormenschen. Aber die Verallgemeinerungen bezüglich der alten Männer stört mich, das ist Pauschlierung, und da bin ich entsetzt. Hätte gedacht, unsere digital Natives wären durch die socials darauf trainiert, keine Pauschalkritik zu üben.

@damuc Ich hab schon verstanden, wie Du das interpretierst, aber so ist es halt nicht gemeint. Es gibt einen Kontext dafür und wenn Du ihn ignorierst und so abänderst, dass er dich entsetzt, können "unsere digital Natives" da gar nichts für. 🤷‍♂️

@benni Bist bisserl jünger wie ich. Deine Eltern vermutlich bisserl älter als ich.

@benni Ich konnte ja heute leider nicht mitgehen, aber mein Liebster war da und berichtet aus Trier ganz ähnliches. Ich freue mich hier riesig über dieses Engagement und diese offenbar sehr klar und kritische Jugend.

@Thalestria @benni Dasselbe aus Wien. Es war unglaublich bereichernd und auch beruhigend zu sehen, dass die Kinder und Jugendlichen mit so viel Ernsthaftigkeit dahinter stehen.

@benni
Jo! Die Schilder sind echt klasse, soviele witzige und treffende Schilder auf 'ner Demo hab ich lang nicht gesehen. Nächstes mal nehm ich eine Knipse mit, lichte die alle ab und mach eine Fotopage davon.

@benni Gab es Parteifähnchen oder andere Vereinnahmungsversuche?

@drayenim es gab einen alten MLPD-Sack mit Fahne und Flyern am Rand und ein Transparent von solid, sonst Null. Am Schluss gab es eine Podiumsdiskussion mit Parteivertretern auf dem Römer.

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