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"Zu teuer und gefährlich: ist keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung" schließt das DIW
doi.org/10.18723/diw_wb:2019-3

Wirtschaftlich: Unter allen Annahmen zu den unsicheren Variablen ist Atomkraft in keinem Fall rentabel.
Und sie ist nicht versicherbar.

Über den ganzen Lebenszyklus (Bau, Betrieb, Rückbau der Anlage, Uranabbau, Brennelemente Herstellung) ermittelte eine Metastudie einen Mittelwert für 66 Gramm CO2-Äquiv/kWh.

@ber Das DIW Paper ist methodisch äußerst schwach und steht mit schlecht belegten Zahlen zu z.B. der CO2 Bilanz auch im Widerspruch zu den Berichten des IPCC. Eine sehr detaillierte Kritik, die auch die von DIW nur unzureichend dargestellte Basis der Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit reverse-engeniered kann man hier finden: kernd.de/kernd-wAssets/docs/fa

@sascha_wilde
Das DIW ist leider keine unabhängige Institution, und diese Veröffentlichung auch nicht peer-reviewed (gibt's den Ausdruck auf Deutsch? Ich kenne keinen!).
Das gleiche gilt andererseits auch für Deine Quelle, deren Interessen recht deutlich sind...

Dafür, dass AKWs derzeit nicht wirtschaftlich sind, spricht, dass der CFO von EDF zurücktrat, nachdem er wegen Hinckley Point überstimmt wurde. Trotz verdoppelten Garantiepreisen hielt er das Projekt für eine Geldsenke.
@ber

@Mr_Teatime @ber das KKW Neubauten derzeit, zumindest in Nordeuropa, nicht wirtschaftlich sind halte ich für gut möglich. Die Gründe dafür sind mannigfaltig aber nicht unveränderlich. Alles in allem ist die Ökonomie von Kernenergie ein komplexes und auch wichtiges Thema, das DIW-Papier ist aber keine geeignete Basis diese differenziert zu diskutieren. Darum mein Hinweis.

Im übrigen sehe ich kurz bis mittelfristig die Ökonomie von Energiegewinnung gegenüber dem Klimaschutz untergeordnete.

@sascha_wilde
Ich denke dem kann ich zustimmen.

Die Relevanz der Feststellung, ob AKWs derzeit wirtschaftlich gebaut werden können, liegt auch darin, dass bisweilen argumentiert wird, man sollte AKWs statt Wind/Sonne bauen, weil das weniger/keine Subventionen bräuchte -- und das stimmt so eben nicht. Die Zahlen mögen ungenau sein, aber es gab nie unsubventionierte AKWs in Deutschland, und könnte es in nächster Zeit auch nicht geben.
@ber

@Mr_Teatime @ber Ja, es stimmt dass zur Zeit keine CO2 arme Technologie zur Stromerzeugung ohne massive Förderung auskommt. Deshalb sollten andere Kriterien maßgeblich sein und diese lassen aus meiner Sicht eine gesunde Mischung aus Sonne, Wind und Kernenergie am sinnvollsten erscheinen.

Leider setzt aber DE zur Zeit faktisch auf fossile Energieträger statt Kernenergie. Das finde ich klimapolitisch katastrophal.

@Mr_Teatime @sascha_wilde

Das DIW Berlin ist laut Wikipedia mit öffentlichen Geldern grundfinanziert und gibt sich selbst an als "unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert". Das dürfte etwa dem Grad der Unabhängigkeit und öffentlichem Auftrag von Universität in Nordeuropa entsprechen. (Was wäre denn noch unabhängiger? Stiftungen haben einen Zweck und werden weniger öffentlichen kontrolliert.).

@ber
Ich habe nicht nach Finanzierung geschaut, sondern nach den Artikeln, die sie veröffentlichen. Und da sehe ich eben im Wesentlichen keine begutachteten akademischen Veröffentlichungen, sondern mehr so Berichte die klingen als versuchten sie objektive Antworten auf subjektive Fragen geben. "Richtige" akademische Studien beschränken sich auf objektive Fragen und harte Fakten -- sind dann aber für Politik weniger verwertbar, weil politische Fragen eben nicht objektiv sind.
@sascha_wilde

@Mr_Teatime Der Versuch wissenschaftlich fundierte Antworten zugeben und zwischen Fachwelt(en) und Politik Verbindungen zu schaffen kann ja durchaus unabhängig geschehen und ein Teil wichtiger wissenschaftlicher Arbeit sein. Ich finde die Antwort darauf, was der Wissensstand in einer Frage ist, durchaus wissenschaftlich, sogar oft schwieriger und hochwertiger als sich auf angeblich "harte Fakten" zu beschränken. Allerdings weiß ich zu wenig über das DIW, um deren Niveau einschätzen zu können.

@ber
Ich weiß auch nicht viel über sie, aber die Berichte lesen sich halt völlig anders als wissenschaftliche Veröffentlichungen -- was nicht unbedingt schlecht ist, denn die wirken auf mich wie Schlafmittel. Allerdings verbringen sie eben sehr wenig Zeit damit, die eigenen Annahmen abzusichern, und an einigen Stellen habe ich Aussagen gesehen, das X "am besten" sei, ohne zu erklären, was dabei die Zielfunktion ist. Das ist in wissenschaftlichen Arbeiten nicht angebracht.

@Mr_Teatime @sascha_wilde "peer-reviewed" wäre wohl "begutachtet" oder "unabhängig begutachtet". Wikipedia bietet noch "Kreuzgutachten" für diese Art von Qualitätssicherung an. Das DIW hat eine Abteilung für "Energie, Verkehr, Umwelt" und eine für "Klimapolitik". Wie gut der wissenschaftliche Ruf dieser Abteilungen ist, weiß ich nicht.

@sascha_wilde Der nucmag Artikel zeigt in den ersten drei Abschnitten ähnliche methodische Schwächen, als die, welche sie kritisieren: Beispiele: Das Rechenverfahren wird mit [17] [18] auch nicht genauer angegeben als in der DIW Veröffentlichung. Es ist nicht betrachtet ob Hinzunahmen von weiteren Elementen überhaupt einen Unterschied ausmacht in der Sensitivitätsanalyse und es nicht nur die anderen Eingabewerte sind. Baukostenprobleme beim EPR und Proliferation-Artikel sind wenig beachtet.

@ber Ich stimme dir zu: die Kritik, das die Details der verwendeten Investitionsrechnung nicht offen gelegt wurden ist berechtigt. Nichts desto trotz bleibt es plausibel, dass das DIW unrealistisch ungünstige Eingangsparameter genutzt hat. Abschließend ließe sich dies nur prüfen, wenn das DIW seine Annahmen vollständig dargestellt hätte.
Zu den Baukosten aktueller Kraftwerke: die sind in beiden Artikeln nicht Schwerpunkt der Betrachtung. 1/x

@ber Ich hatte ja schon im Dialog mit @Mr_Teatime zugestimmt, dass es hier z.Zt. ein Problem gibt. Das liegt vor allem an große zeitliche Verzögerungen, welche mannigfaltige Gründe haben: teils politische, teils deutliche Erfahrungslücken bei den Herstellern. Dass dies nicht technologie-immanent ist, kann man z.B. an Tianwan-5 in China sehen, da wurde letzten Monat der kommerzielle Betrieb eines modernen Gen3+ Reaktors weniger als fünf Jahre nach Baubeginn aufgenommen. 2/x

@ber @Mr_Teatime Das Proliferationsargument ist tatsächlich eine differenzierte Diskussion wert. Es ist aber meiner Meinung nach gerade im Kontext des Neubaus von KKW in Ländern die bereits über diese Technologie verfügen irrelevant. Wenn es um den Export geht gilt es abzuwägen ob die Möglichkeit im Zuge von Technologietransfer internationale Kontrollmechanismen zu implementieren die Risiken aufwiegen kann. 3/3

@kravietz sorry I don't get it. If it is less expensive and faster to build more regenerative energy "plants" based on solar power than continue to use or build more nuclear plants, we should do it. And that is what it looks like to me today. But this needs to a discussion what is to be included in the "cost" part of the calculation.

@ber

We're really dealing with four parameters here. Three are physical/engineering - CO2 intensity (gCO2eq/kWh), surface power density (W/m2), capacity factor (%). One is economic - LCOE ($/kWh).

Nuclear has very good first three but high LCOE.

PV has low LCOE but poor capacity factor and surface power density, similar on-shore wind.

Off-shore wind has slightly better capacity factor but LCOE comparable with nuclear.

@ber

There are prospective technologies that might improve capacity factor for wind and solar (power-to-gas, hydrogen, batteries etc) but they are not there today on industrial scale.

Today they are just as prospective as nuclear fusion, which also promises very high power density and zero waste... but it's not here yet.

@kravietz Again I do not seem to understand your point. An important factor would be the total amount of energy that can "won" via a method. And renewable energy sources seem to have a very high potential here and are faster to build up, so their lower LCOE and CO2 intensity is more important than surface power density or capacity factor.

@ber

Not in Europe. Due to very low surface power density RE require plenty of one non-renewable resource we don't have much: land surface.

This is why wind & PV plants are facing opposition in UK, France, Norway and Germany, and why Germany plans to rely on fossil gas for the next 30 years.

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