Weshalb Telegram kurioserweise eine Aura der Sicherheit umgibt, ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Der Messenger ist keine sichere und datenschutzfreundliche Alternative zu WhatsApp.

kuketz-blog.de/telegram-sicher

@kuketzblog Das bin ich gerne bereit, zu erläutern:
- Ich bin in #Telegram u. a. Mitglied in einer Ortsgruppe mit >8.000 Menschen. Niemand von denen - egal, ob ich mit den Personen kommuniziere oder nicht, sieht meine Telefonnummer. Was meint ihr wohl, was bei jungen Frauen los wäre, wenn andere Nachbarn nicht nur deren Foto, sondern auch ihre Telefonnummer sehen könnten? Die bekommen sie im Gegensatz zu Signal gar nicht erst. So sieht Datenschutz in der Praxis aus, von dem alle profitieren!
- Gerne wird die nicht vorhandene E2E-Verschlüsselung in jenen Gruppen bemängelt. Ich empfinde es gerade als Vorteil, von jedem Gerät, egal, ob Tablet, Smartphone oder Desktop, auf meine Konversationen zurückgreifen zu können. Ich will ja gerade einen Cloud-Messenger haben, mit dem ich (und auch Nicht-Nerds im Freundeskreis) von überall unkompliziert Zugriff haben. Das ist vor allem dann relevant, wenn mal ein Smartphone ins Klo fällt. Wie viele Otto-Normalnutzer haben dann schon ein aktuelles Backup von Omas Kuchenrezept parat? Und wenn ich dann eben doch der Schwester private Zugangsdaten zukommen lassen will, steht mir die E2E-Verschlüsselung, wie auch bei Skype, jederzeit zur Verfügung!
- Ich kann den Client nutzen, der mir gefällt! Den original Telegram-Client empfinde ich gerade auf dem Windows-Tablet als schwer bedienbar. Zum Glück gibt es fleißige Entwickler der Open Source-Gemeinschaft, die sich dem annehmen! Also nutze ich einfach Unigram, welches für verschiedene Geräteformen optimiert ist! Auch Nutzer:innen von seltenen oder gar "ausgestorbenen" Betriebssystemen werden glücklich: Von #FirefoxOS über #Sailfish bis #webOS gibt es aktuelle Telegram-Clients! Die Wegwerf-Kultur wird durch solches Engagement effektiv bekämpft. Mit Signal und Threema fallen wir dagegen in Zustände wie zur Zeiten der Bundespost zurück, die uns vorgeschrieben hat, welche Geräte wir nutzen dürfen - und welche nicht. Telegram führt Features ein, die ich ablehne? Dann nehme ich eben einen Client, bei dem ich diese nicht nutzen muss. Siehe "Payments" bei Signal, um die Nutzer:innen nicht herumkommen.
Zudem: Signal hat seinen Sitz in den USA. Wer schützt uns eigentlich davor, dass die Betreiber:innen per #NationalSecurityLetter dazu gezwungen werden, anstatt der Version aus Github einen Client mit eingebauter Hintertür zu kompilieren, über den sie per Verfügung nicht berichten dürfen?
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@oliver Das Problem ist einfach, dass Telegram als sicherer und datenschuzfreundlicher Messenger beworben wird - der er nunmal nicht ist.

Es gibt sicherlich sinnvolle Anwendungszwecke und auch die Benutzerfreundlichkeit habe ich nicht angezweifelt. Aber wenn man einen sicheren und datenschutzfreundlichen Messenger sucht, dann ist Telegram ein Griff ins Klo. 😉

@kuketzblog @oliver Wenn ich einer Nachbarschaftsgruppe per Weblink beitreten kann, ohne mich selbst zu offenbaren - und diese nutzen kann, ohne jegliche persönliche Informationen über mich an andere Gruppenmitglieder zu offenbaren, dann ist das Datenschutz, der sich im Alltag auszahlt und von dem wir in unseren Telegram-Gruppen in Leipzig zu Tausenden jeden Tag profitieren - und den gerade SIgnal nicht bietet.
Und u. a. hinsichtlich der Problematik etwaiger National Security Letter (Standort USA) erscheint mir Signal auch sicherheitstechnisch problematisch.

@oliver Ich kaue das nicht nochmal durch mit Signal.

Davon abgesehen ist das ein gewisser Datenschutz - gegenüber den Teilnehmern, aber nicht gegenüber dem Dienstleister.

Threema kann übrigens auch ohne Telefonnummer verwendet werden. ;-)

@kuketzblog @oliver Threema erscheint mir inzwischen auch auf zahlreichen Ebenen vertrauenswürdigsten. Jene Nutzung ohne Herausgabe der Rufnummer ist da ja gerade für Journalisten elementar, die für unzählige Leute erreichbar sein müssen.
Für mich persönlich ist es weniger ansprechend wegen der fehlenden unabhängigen Clients, aber das betrifft ja keine große Zielgruppe.
Und ja: Für Otto-Normalverbraucher:in halte ich den Datenschutz gegenüber Menschen in ihrem Umkreis, verbunden mit der Backup-Sicherheit durch Cloudhosting tatsächlich für relevanter, als den Datenschutz gegenüber Geheimdiensten, bei denen es meines Wissens obendrein kein Beispiel dafür gibt, dass jene die Verschlüsselung von Telegram geknackt haben. Gescheiterte Ermittlungsversuche in Drogen- und Missbrauchs-Gruppen sprechen Bände.

@kuketzblog @oliver Ja hab ich nur gibt es dort kein einzigen aktiven Kontakt, das gleiche hatte ich bei Signal. Das eigentliche Dilemma ist die Marktmacht.

@Heha @kuketzblog @oliver liegt einfach daran das die Allgemeinheit auf den Schutz der persönlichen und anvertrauten Daten einen Rotz gibt und zu geizig ist einmalig 4.00€ zu investieren.

@kuketzblog @oliver Das mi der Sichtbarkeit der Telefonnummer ist aber schon pikant. Ein Messenger welcher Datenschutz auf seiner Fahne hat, sollte so etwas aber verbergen. Was nützt mir die bestmögliche Verschlüsselung der Gesprächsdaten wenn meine personenbezogenen Daten aber frei ersichtlich sind und das für Gruppenmitglieder die nicht einmal persönlich kenne. Wie hat es dann Signal auf die berühmte Liste geschafft?

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