Follow

Wie eine der zehn größten deutschen Zeitungen Einwilligungen mit einem Fantasie-Abo ertrickst und sich schließlich eine Behörde einschaltet
kuketz-blog.de/rheinische-post

⬇️ Das wichtigste im Thread

Diesmal ist es die Rheinische Post, die sich seit mindestens fünf Monaten eine unterirdische Trickserei erlaubt: Die bis vor kurzem so angebotene Alternative zum freiwilligen Tracking ist kein trackingfreies Abo, sondern eigentlich nur das volle Plus-Abo. Das ist rechtlich schonmal nicht erlaubt, weil nicht gleichwertig.

Wenn man es bucht, steigt man aber für 7,99€ erst so richtig in die globale Werbevermarktung ein.

😈 Facebook Pixel erkennt eingeloggte Nutzer
😈 Profilbildende Werbecookies z.B. Criteo, Doubleclick, SpotX
😈 Weitergabe der gelesenen URLs an 20 Anbieter u.a. für personalisierte Werbung (Yieldlab, Adform, Videoplaza, Xandr oder Emetriq)
😈 Weitergabe der IP für Haushaltstracking

Trauriger Höhepunkt: Der Drittanbieter Taboola erhält von der Rheinischen Post meine (base64-codierte) E-Mail-Adresse, mit der ich mein Abo angemeldet habe. Nach Datenschutzerklärung kann der Anbieter damit nun machen was er will und meine Verhaltensdaten beim Lesen auch an weitere Partner geben.

Die Rheinische Post wollte auch auf wiederholte Frage nichts zu unseren Vorwüfen sagen. Die zuständige Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen bestätigte, dass bereits ein Verfahren in dieser Sache geführt wird.

Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass eine Regionalzeitung eigentlich eine besonders vertrauenswürdige Instanz im Leben der Menschen sein sollte. Was die Redaktion mit an Vertrauen aufbaut, macht der Verlag mit seiner shitty Vermarktungsstrategie wieder kaputt.

@rufposten wie sieht das eigentlich bei anderen Zeitungen aus? Mir ist schon aufgefallen, dass die SZ "verseucht" ist. #trackingmafia

@ruoff
Kann man nicht so verallgemeinern. Mein großer Überblick hier:
kuketz-blog.de/illegales-track

Wenn man von den sehr komplexen Datenschutzproblemen mit Schrems II absieht (zB Übertragungen von IP-Adressen in die USA), dann gibt es einige sehr ordentliche Seiten, z.B. taz.de. Auch das Pur-Abo vom standard.at ist einwandfrei:
netzpolitik.org/2020/nicht-gan

SZ sieht ganz gut aus, was Setzen von Trackingcookies angeht, aber sie haben einige Einbindungen, die evtl. vorhandene Cookies lesen.

@rufposten ich vermute mal, dass das Ergebnis für die Kieler Nachrichten (kn-online.de) ähnlich ist, wie dass der Lübecker Nachrichten, da beide mehr oder weniger zu Madsack gehören.

@ruoff
kn-online sieht auf kurzen Blick ebenfalls relativ gut aus, "nur" Google Analytics und einige Einbettungen, die vorhandene Cookies lesen könnten.

@rufposten Das ist leider alles traurige gänige Praxis. Die "Spezis" hinter den Webseiten haben meist entweder keine Ahnung, sehen die DSGVO als lästig an oder müssen sich der Einstellung ihrer Vorgesetzten beugen, die der Meinung sind, dass man das schon alles machen kann, weil ja noch niemand dafür wirklich eine hohe Geldbuse (oder schlimmeres) blechen musste. Ist immer sehr interessant was in den Medienhäusern so für Meinungen vorherrschen.

@rufposten und ich dachte man schließt nen Abo ab damit Tracker und Werbung nicht mehr nötig sind. 😳

@rufposten Gibt es eigentlich irgendwo eine Übersicht über die Besitzer all dieser Tracker?

@liberloebi
Ich pflege den Beschwerdegenerator @tracktor Da findest du nicht nur eine Anleitung, wie man Tracker erkennt, sondern auch eine Datenbank mit den wichtigsten ca. 40 Trackern.

tracktor.it/tracker.php

@rufposten Bin kein Jurist. Aber neben datenschutzrechtlichen Verstössen ist das in meinen Augen auch eindeutig Betrug im strafrechtlichen Sinn bzw. arglistige Täuschung im zivilrechtlichen.

@crossgolf_rebel @kuketzblog
Gute Frage, ich hoffe es, aber die Behörden haben bisher in diesen Sachen kaum Bußgelder vergeben.

@rufposten ich meine, noch offensichtlicher kann man Verstöße gar nicht begehen.
Das ist doch schon jenseits von Frech, da kann man ja beinahe schon Vorsatz unterstellen. Die Masse an Übertretungen kann man nicht einfach als "ups, nicht aufgepasst" abtun
@kuketzblog

@rufposten
Ich habe das vergangene Jahr über für einen Verlag im Zeitungswesen gearbeitet, der neben einem überregionalem Angebot auch Lokalblätter anbietet.

Wenn ich mich da durch den Consent-Manager klicke, sehe ich auch 300+ Vendors 🤯

@rufposten Ich mag dieses "Fantasie-Abo" im Titel. Fantasielos beschreibt dieses sich bedingungslose Verkaufen der Verlage an die Werbeindustrie wirklich treffend.

@rufposten Solche kostenpflichtigen "ohne-Werbung"-Abos haben ja auch golem und heise, da allerdings getrennt von den plus-Abos. Trotzdem nicht gleichwertig, daher bin ich mir bei solchen Angeboten auch nie sicher, dass ich nicht doch getrackt würde.

Eine weitere Option: Alles blocken, JavaScript aus und die Seite in "kaputt" lesen, funktioniert oft noch irgendwie.

@mithos
Ja die beiden sollte ich auch mal testen. Golem soll es aber ganz gut machen, habe ich gehört.

@rufposten upsi, da wurde wohl jemand mit der Hand in der Keksdose erwischt 🧐

@rufposten

Firefox mit uBlock Origin, Privacy Badger und Cookie Autodelete und Webseiten wie Rheinische Pest oder Waz sind lesbar. Selbst "seriöse" News, Heise - SPON - ZON zB, sind ohne Blocker nicht mehr lesbar.
Der Privacy Badger wird von vielen Seiten auch als Adblocker nicht wahrgenommen.

@rufposten Es betrifft ja leider nicht nur die RP. Dieses "Erpressung" kommt ja leider bei fast allen Medien vor. Heise ist da ganz lustig. Da kann man über ein versteckten Link "alles ablehnen" klicken aber dann bleibt das cookie fenster dauer offen bis man annimmt.

Gab es nicht irgendwann mal eine Sammelklage gegen alle die so ein System nutzen?

@nyansen @rufposten @noybeu ist da an einem system mit automatischer kontaktaufnahme und wen nicht reagiert wird mit anzeige dran...

ja heise geht mir ordentlich am Arsch mit ihren darkpattern

@rufposten traurig aber leider wahr und wohlmöglich auch kein Einzelfall, vermute ich mal. 😒

Eine lokale #Zeitung sollte im besten Fall eine vertrauensvolle sowie seriös Quelle für den #Bürger vor Ort sein, was leider nicht immer der Realität entspricht.

Überall existieren gierige Einzelpersonen, in allen Bereichen des Leben. So lange deren Befugnisse beschränkt sind, entsteht selten durch deren Verhalten ein Schaden.

Sign in to participate in the conversation
Mastodon

The social network of the future: No ads, no corporate surveillance, ethical design, and decentralization! Own your data with Mastodon!