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Extrem lesenswert:

"Die meisten sind gezwungen, ihre Daseinskraft in Arbeit und Alltag zu stecken. Sie denken und handeln, wie es ihren Bedürfnissen entspricht: geerdet, intuitiv, im besten Fall lebenspraktisch. Das Verdrängen von Problemen, die nicht das eigene Lebensumfeld betreffen, ist für sie ein notwendiger Abwehrmechanismus, um die Realität zu bewältigen. Energiesparende Strategiemuster wie Denkschubladen oder Ignoranz werden oft über Generationen vererbt."

deutschlandfunkkultur.de/arrog

@z428
😃, das ist schon das zweite Mal, dass ich diesen Beitrag hier von jemandem, dem ich folge, empfohlen bekomme.

Ich finde das Anliegen super und sehr relevant und unbedingt lesens- und diskutierenswert!

Aber ich finde, dieser Beitrag ist sovieles von dem, was er kritisiert...

@holzgedackt Naja, in gewisser Weise bringt sie das in dem Text ja auch zum Ausdruck. 😉 Was ich wichtig finde, ist eben die Sensibilisierung (die an vielen Stellen fehlt) dafür, dass Reflektieren und Nachdenken über Dinge jenseits der eigenen praktischen Lebenserfahrung zumindest nicht selbstverständlich sind - und man damit mindestens deutlich mehr Mühe investieren muss, wenn man Menschen mit bestimmten (insbesondere abstrakteren) Themen erreichen will oder muss.

@z428
Ja, auf jeden Fall! Ich bin ja selbst so ein Immer-über-alles-philosophisch-nachdenken-Mensch & weiß, dass ich da viel zu oft denke, das gehe allen so 🙃

Ich finde nur, in diesem konkreten Text kommen die "Nicht-Denkenden" irgendwie ziemlich schlecht weg:
der "gesunde Menschenverstand" mit seinem Populismus-Beigeschmack,
"Denkschubladen" und "Ignoranz" als Beispiele für Strategien, die Unterstellung von "Schutzverhalten" statt Interesse...

Umso mehr: wichtiges Thema!

@holzgedackt Ah ok, verstanden. 🙂 Den letzten Passus indes hab ich nach zweimaligem Lesen als gar nicht mehr so schlimm wahrgenommen. Die Formulierung "geerdet, intuitiv, lebenspraktisch" passt in meinem Umfeld auf sehr viele Menschen, die sprichwörtlich mit beiden Beinen im Leben stehen und unter Umständen zwischen Familie, Job und ehrenamtlichem Engagement mitunter mehr (auch Positives) bewirken, als man selbst durch Reflektion und Nachdenken manchmal schafft. 😐

@z428
Unvergessen eine alte Bäuerin, die mich halb tadelnd, halb belustigt beobachtete und zurechtwies, weil ich lauter überflüssige Wege lief und ständig noch irgendwas holen musste, weil ich vorher nicht einschätzen konnte, was ich wann wo brauchen werde... 👩🏾‍🌾

@z428 @holzgedackt

"die nichts anderes wollen und können, als ihr Leben auf die Reihe zu kriegen?"

"sich stolz „einfache, normale Leute“ nennen und gegen Komplexität gern ihren „gesunden Menschenverstand“ einsetzen."

"wie es ihren Bedürfnissen entspricht: geerdet, intuitiv, im besten Fall lebenspraktisch."

"Es war halt die schlechte Zeit, und nun halt deine Gusch.“

"Verdrängen von Problemen..."

Das sind die 50´er Jahre pur...

mich schaudert es...

Was soll aus dem Verständnis folgen?

@Nachbarschaft Aus meiner Sicht: Es ist hilfreich, die Menschen zu verstehen und zu respektieren (auch wenn man ihre Weltsicht nicht teilt), wenn man die Dinge verbessern will. 😉

@holzgedackt

@z428
solange es um ein Verbessern geht ist alles gut... aber was wenn der Gegenüber gar nicht daran denke sich zu "verbessern" und im Gegenteil Dir auch noch sagt zu sollte die Klappe halten, sonst setzt es was?

Man kann sich so manches erklären, aber es hilft nichts... wirkliches Verständnis mag sich nicht einstellen und wir müssen aufpassen dass sich die Dinge nicht grundlegend wieder in der Stimmung ändern.... das würden keinen lustigen Zeiten...
Trump & Co sind die Fänger

@holzgedackt

@Nachbarschaft Vielleicht ist ja aber genau hier das Problem zu suchen - und der hier beschriebene Umstand zumindest teilweise verantwortlich für den Erfolg von Trump und seinesgleichen, die die vermeintlich "normalen Menschen" ansprechen, während zu viele andere Spezialisten das wahlweise aus Absicht oder aus Unachtsamkeit nicht tun?

@holzgedackt

@z428 @holzgedackt
ja - aber was heiß denn "ansprechen"? auch bestätigen? Der sogenannte "kleine Mann" braucht seine Fürsprecher - aber soll er auch führen?
Arroganz der Elite ? ich weiß gar nicht wer diese Elite genau sein soll? Wer genau ist damit gemeint?

Kerstin Hensel ist Professorin an einer Schauspielschule - was bedeutet ihre Aussagen z.B. in Bezug auf das Theater? Volksschwank anstatt von "Regietheater"... kann es doch beides geben - in der Kunst ist vieles möglich

@Nachbarschaft Spontane Idee zur Ansprache: Nimm Dir, für ein beliebiges Themengebiet (gendergerechte Sprache, Terrorismusbekämpfung, Datenschutz, Klimapolitik,...) *irgendeinen* zufällig ausgewählten Menschen aus der Bevölkerung, und sieh es als Deine Aufgabe, diese Person für Dein Thema zu gewinnen und von Deinen Ideen zu überzeugen. Wie würdest Du das lösen? Würdest Du das *schaffen*?
@holzgedackt

@Hiker Sollst Du nicht. Das ist eh fakultativ und funktioniert nur unter der Annahme von Individuen, die nicht nur über Dinge nachdenken, sondern in dieser oder jener Weise die Gesellschaft verändern wollen. Das muss man ja nicht. 😉

@Nachbarschaft @holzgedackt

@Hiker Naja, der beabsichtigte Unterton war: Wenn ich jemanden von Dingen, die mir wirklich wichtig sind, überzeugen möchte, dann sollte ich möglicherweise erstmal imstande sein, die Welt aus seiner Perspektive zu sehen. Das als Bogen zu Deinem Bild. 😉
@Nachbarschaft @holzgedackt

@z428 Das ist aber der schwierigste (und meistens gescheiterte) Teil am Ganzen - ich denke nicht, dass Missionare das können. @Nachbarschaft @holzgedackt

@Hiker Das meine und fürchte ich eben. Und das klang für mich in dem Artikel ein Stück weit an, wenn auch mit einem speziellen Fokus. 🙂

@Nachbarschaft @holzgedackt

@z428 Die zentrifugalen Kräfte in so vielen Bereichen der Gesellschaft erhöhen die Komplexität ständig. Darum wird das "Abholen" wohl immer schwieriger... @Nachbarschaft @holzgedackt

@z428

man könnte auch sagen durch das Internet begegnen sich nun Welten die vorher gar nichts von einander wussten und nun kann man alles nicht mit einem Like oder Dislike Klick lösen

spannend

Reden wäre nun besser als Schreiben

Probleme werden schon erkannt aber die Konsequenzen werden verdrängt und man hascht nach einfachen Antworten und jene die sie kalkuliert in die Welt setzen.

So wir es aber nicht gut gehen, das muss allen klar sein, und dann schauen wir weiter

@Hiker @holzgedackt

@Nachbarschaft Jupp. Exakt. Deswegen halte ich es aber diese Perspektivwechsel für wichtig, die Herangehensweise, Leute und Weltsichten verstehen (*nicht*: teilen, oder auch nur in jedem Fall akzeptieren) zu wollen. Das bleibt leider auch auf der Strecke, auch weil es merklich Arbeit ist und immer sogar mit dem Risiko einhergeht, dort zwischen die argumentativen Fronten zu geraten, vermute ich manchmal.

@Hiker @holzgedackt

@Nachbarschaft Der Punkt mit der Arroganz der Eliten ist schon hart, aber ich erlebe eben leider auch gerade im Internet viel sehr spezielle Diskussion in Filterblasen, die sich sehr sorgsam gegen wirkliche Kritik der vermeintlich außerhalb stehenden Welt abschotten. Das sind schwierige Ausgangsbedingungen, wenn man eigentlich genau *dort* Menschen erreichen müsste.

@holzgedackt

@z428 von Eliten - und den da oben reden immer öfters Personen die sich abgehängt FÜHLEN... ob das mehr als ein Gefühl ist sollte ergründet werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten sich in Institutionen, auf denen unser Staat aufgebaut, zu engagieren. Ohne dieses Einbringen, gelebt mit demokratischen Prozesses, wird die ganze Sache nicht gut gehen. Der demokratische Prozesses gewährleistet das Argumentieren Zuhören, Respektieren und Tolerieren. "Halt die Gusche" eher nicht

@Hiker @holzgedackt

@Nachbarschaft Ja, das ist oft ein mehr oder weniger konkretes Gefühl - aber das zu ergründen ist Arbeit. Darauf muss man sich einlassen, dafür muss man vermutlich mehr mit Menschen kommunizieren und weit mehr (idealerweise urteilsfrei) zuhören als reden. Nicht zuletzt ist ja dieses Gefühl des "Abgehängt-Seins" auch darin begründet, dass Menschen ungeachtet der Dinge, die sie tun, nicht den Eindruck haben, wirklich wahr- und ernstgenommen zu werden. Dort hat in ...

@Hiker @holzgedackt

@Nachbarschaft ... meiner Beobachtung auch das Internet viel kaputt gemacht, indem es Zwischentöne zerstört hat. Motto: "Wer nicht für ist, ist gegen uns!" - und mit "denen" redet man grundsätzlich nicht. Und da reden wir schon nur über Leute, die sich irgendwie mit den Dingen beschäftigen, und noch nicht mal über die, die bestimmte Lösungen nicht verstehen, weil sie die Probleme noch gar nicht sehen, die sie lösen sollen.

@Hiker @holzgedackt

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