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Erste wirklich milde Sommernacht. Fast weiße Wolken unter dunklem Himmel. Ein eigenartiges Licht. Das Viertel verströmt Stille, die durch fernes Bellen eines Hundes, den Verkehr jenseits des Flusses, den kaum spürbaren Lufthauch in den Bäumen noch dichter wird. Träume fangen.

Freibad jenseits des Stadtrandrands. Alter Sichtbeton, die Stille einer Eigenheimsiedlung, großflächige Werbung für Industriebier. Trockenes Gras, kaum Bäume. Der wärmste Tag des Jahres ist windig und grau. Erfreulich viel leerer Raum zwischen den Besuchern.

Der Nachmittag schiebt Wolken ohne Regen über die Stadt. Auf den hohen Bäumen an der Mauer sitzt und schreit ein Rabe. Ein leichter Wind, treibende Gedanken, weiße Schmetterlinge. Leerlauf zulassen, für diese Tage.

An einem Sommertag unter dem Flieder sitzend in dem Gedanken verloren gehen, auch wieder Bücher von "früher" zu lesen und mit dem damaligen Selbst um Weltsicht und Bedeutung zu ringen. 🙂 Habt es gut heute!

Stunden später hat der Regen Großstadtstaub in den Rinnstein gespült, an dem warme Reifen zur Ruhe kommen. Jugend des Viertels verbringt den Sonntagabend am Dönergrill, irgendjemand hat die Pfähle der Baustellenschilder mit gestrickten Hüllen versehen. Dämmerung. Wieder zu Hause.

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Am Nachmittag hat der Wind Wolkenschatten über die reifenden Felder des Flämig getrieben. Luft erfüllt vom Klang der Grillen in den Wiesen, dem Rauschen hoher Nadelbäume, den Stunden brütender Hitze über dem flachen weiten Land.

Weit nach Mitternacht. Andere Städte, andere Klänge in der Dunkelheit. Straßenzug in mattem Licht, so weit das Auge reicht. Ein einsamer Radfahrer auf dem Weg nach Nirgendwo. Die Luft ist voll von Träumen und erdiger Feuchtigkeit. Kein Mond über der Nacht.

Nebenstraße, Aperol, Kirschkuchen. Überlegungen über Schule und Alter. Wittenberg ist leerer als in anderen Jahren.

Inmitten der Bäume diskutieren betrunkene Anwohner Verkehrsführung im Viertel. Auf der Straße stellen Endvierziger in ihrem Verständnis jugendlicher Kleidung zu große Autos zur Schau. Spanisch sprechende Touristinnen tragen schlechtes Bier in die Dämmerung. Freitagabend und so.

Augenscheinlich Freitagnachmittag. Unter den blauen Himmeln und weißen Wolken dieser Tage entgleitet der gewohnte Rhythmus. Die Brombeeren reifen, und Meisen und Spatzen haben genug Scheu verloren, um auch des Tages an der Futterglocke zu hocken. Der Sommer bewegt sich träge.

Im Viertel strahlen Häuser letzte Wärme in eine weitere kühle Nacht. An der Straße vor der Kneipe sitzen Jugendliche beim Bier. Ein Pärchen schiebt einen Wagen mit müde weinendem Baby, ein älterer Herr mit älterem Hund schlendert rauchend um den Block. Verschiedene Abende.

Vor dem Haus schwebt der Duft von Harz, Moos, Nadeln, auf den Wiesen dahinter spielt der Wind mit frischem Heu. Der Traktor, der das trocknende Gras wendet, hat Generationen überdauert. Zeit hat ihre eigene Geschwindigkeit, auf dem Dorf, unter der Sommersonne.

Warmes Licht in den Fenstern vor dunklem Blau des Nachthimmels. Eine Frauenstimme singt zu Gitarre. Jemand zieht neu ein, alles wie immer: Der Kleintransporter reicht noch für das gesamte bisherige Leben. Fahrrad, Hund, Bücherschrank. Willkommen in der Straße...

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